Straßenmädchen (blaues Herz)

Die weiblichste Lesebühne Berlins

Archiv für die Kategorie “Straßenmädchen probelesen”

Fetttage

Max klingelte an meiner Tür. Ich konnte mich nicht bewegen und so blieb ich in dieser halb sitzenden, halb liegenden Position im Sessel stecken, in der man gerade noch atmen und gerade noch über seinen Bauch hinweg auf den Fernseher starren kann. Dass es Max war hatte ich an der typischen Abfolge von knarrenden Stufen und Geländerquietschen gehört, die er immer verursachte, wenn er von über mir, wo er wohnte, zu mir herunterkam.

„Ich kann grad nicht!“ rief ich durch die angelehnte Wohnzimmertür in den Flur. Keine Ahnung, ob er das hörte. Ich hörte nur, wie er sich wieder nach oben verkrümelte. Aber es stimmte. Ich konnte gerade nicht aufstehen. Denn ich hatte gevöllt. Unsagbar gevöllt.

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Straßenmädchen im Radio

Am Freitag, den 16. Januar schnellten die Statistikbalken unsrer Seite hoch, denn Straßenmädchen AnnA las auf FluxFM die Drei-Minuten-Lesung. Davon könnt Ihr noch mehr haben. Kommt einfach bei unseren Lesungen vorbei, wir freuen uns auf Euch.

Die Krise als Chance

Ich bin stolz. Ich bin so stolz.

„Sie haben eine typische Sportverletzung“, hatte die Ärztin kopfnickend gesagt, und dabei ernst und wissend mit einem Auge in ihren Bildschirm geschaut und mit dem anderen Auge zu mir auf der anderen Seite des Schreibtischs.

Ich habe eine typische Sportverletzung!

Das kann wohl nichts anderes heißen, als dass ich eine Sportlerin bin. Nur Sportler und Sportlerinnen haben typische Sportverletzungen.

Das tröstet mich kurz darüber hinweg, dass meine Wade sticht und brennt und meinem Gang, mit dem ich mich auf die Straße schleppe, niemand anmerken würde, dass ich irgendwie mit Sport zu tun habe.

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Bussis Dackel macht den Schlendrian

Auf Hiddensee wurde ein junger Mann vermisst.
Hubschrauber mit Wärmebildkamera flogen zich mal über die Insel.
Eine Hundestaffel kam, die suchte ihn 2 Tage lang.

In dem Zusammenhang erzählte Frau Kula, die Vermieterin,
von 2 erfrorenen Männern im letzten Winter.
Filmregisseur einer, 50 erst und Busfahrer, Bussi genannt, der Andere.
Ersterer betrunken im kniehohen Graben in der Heide geblieben,
Letzterer vom Zuckerschock in eben dieser überrascht, das Hemd aufgerissen, nach Luft schnappend.

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Franzis Vermächtnis

An den Namen des ersten Mannes, den ich im Westen küsste, kann ich mich nicht erinnern. Er klang altmodisch, der Mann selbst war ausgesprochen schön. Ich erinnere mich dunkel an Spaziergänge durch herbstbunte Wälder rings um Tübingen, ich erinnere mich an seine Lippen, die bedächtig und zurückhaltend küssten, und dass ich mit ihm zusammen das erste Mal einen McDonald betrat – er meinte, das müsse ich gesehen haben.

Das ist alles. Ich weiß nicht, wie es begann und warum es endete, ich weiß nicht einmal mehr, ob wir irgendwann zusammen ins Bett gingen, nichts davon scheint mich wirklich berührt zu haben. 

Meine Welt spielte sich anderswo ab. Ich war gekommen, um das Leben zu leben, das ich gesucht hatte, ich wollte studieren, durch die Welt reisen, mich politisch engagieren. Aber das Leben war nicht mitgekommen, es fand weiterhin dort statt, wo ich hergekommen war. Zu mir kam es nur mit den Briefen meiner Freunde, mit den Fernsehbildern, in den Stimmen während seltener Telefonate. Weiterlesen…

Alles im Obi

Ich bin jetzt um die 64 Jahre alt und ich würde sagen, ich habe bestimmt 10 Jahre davon im Baumarkt verbracht.
Die Baumarkttypen kann man in drei Grundkategorien unterteilen. Da gibt es den pragmatischen Typ, jemanden der auf sein Geld und auf Qualität achtet und dann den Kreativen, der sucht nach individuellen Lösungen, oder den Entspannungssuchenden, für den ist der Weg schon fast das Ziel.
Mich würde ich als eine Mischung aus pragmatischem und kreativem Typ beschreiben.
Ich gebe gern zu, dass es sich bei mir größtenteils um die urmännliche Befriedigung des Nestbautriebes handelt.
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